Rudulin / Das DossierGut gemeint ist keine Bilanz. ↘
Inszeniertes Motiv: Ein geknickter, ausgefranster Papiertrinkhalm in einem Wasserglas vor säuregelbem Hintergrund
KI-Motiv

Papier.Abersauber?

Der Halm wird weich.
Die Fragen bleiben hart.

Die Rechnung
bitte.
PFAS gefunden.18/20

untersuchte
Papierhalm-Marken.
Belgien, 2023. [02] ↗

Was bei der Verwendung relevant wird

PFAS im Halm.
Das ist kein Fortschritt.

Wegwerfprodukt.
Langlebige Stoffe.
Schlechter Tausch.

PFAS sind sehr beständige fluorierte Stoffe. Das in der belgischen Studie am häufigsten nachgewiesene PFAS war PFOA. Die WHO-Krebsforschungsagentur IARC stuft PFOA als krebserregend für Menschen (Gruppe 1) ein. [02] [16]

Bestimmte PFAS können sich im Körper anreichern. Eine zusätzliche vermeidbare Quelle in einem Trinkhalm ist deshalb ein handfestes Problem — gerade bei einem Produkt, das mit seiner Umweltfreundlichkeit wirbt.

Die US-Untersuchung zeigte bei einer ausgewählten hochbelasteten Marke auch den Übergang ins Wasser. Die Stiftung Rudulin fordert deshalb: Materialdeklaration und Migrationstests statt eines guten Gewissens auf der Verpackung. [03] [08]

Die Zusammenfassung / Erst die Befunde. Dann die Details.

Kurz gesagt:
Fünf Gründe, genau hinzusehen.

18/20

PFAS gefunden.
Darunter PFOA.

18 von 20 Papiermarken in der belgischen Stichprobe 2023. PFOA ist als krebserregend eingestuft. [16] [02]

−49 %

Weniger CO₂
mit Plastik statt Papier.

2,78 statt 5,40 g je Halm im US-Verbrennungsmodell. Eigene Rechnung. [04]

2,21 ×

Mehr Gewicht
beim Papierhalm.

US-Modell: 1,15 g Papier
gegenüber 0,52 g PP pro Halm. [04]

2,33 ×

Höhere Kosten
für Papier.

Griechisches Preisbeispiel 2024:
1,4 statt 0,6 Cent pro Halm. [11]

103 ×

Die großen Einträge
liegen anderswo.

Ciliwung: 308 t/Jahr. Rhein: 3 t/Jahr. Zwei zitierte Beobachtungen im Flussvergleich 2021. Grafik ansehen ↓ [13]

Vergleiche aus den genannten Studien und Szenarien. CO₂-Differenz: (5,40 − 2,78) / 5,40 ≈ 49 %. Gewichts- und Preisquotienten: eigene Rechnung. Die koreanische Untersuchung ergibt beim Klima einen Papierwert von etwa +1 % gegenüber PP; der US-Vergleich verwendet andere Produktions- und Entsorgungsdaten. [15]

Die CO₂-Rechnung in Gramm ansehen ↓
01 Wo der Müll ins Meer gelangt

Die großen Einträge
liegen anderswo.

Ein Papierhalm am deutschen Becherrand baut keine Abfallsammlung in einem asiatischen Flusseinzugsgebiet. Wer die Meere schützen will, muss dort ansetzen, wo große Mengen Müll ins Wasser gelangen.

Die bekannte Zehn-Flüsse-Auswertung / Schmidt, Krauth & Wagner, 201710 Flusssysteme.
Rund 90 % des Flusseintrags.
Schematische Flussgrafik zur Auswertung von 2017Acht Flussläufe in Asien und zwei in Afrika münden in das Meer. Gemeinsam standen diese zehn Flusssysteme im Modell von 2017 für rund 90 Prozent des weltweiten flussgebundenen Plastikeintrags. Die Zeichnung ist keine geografische Karte.ASIENAFRIKA8 DER 10 FLUSSSYSTEME2 DER 10MEER

Die zehn Flusssysteme lagen in Asien und Afrika — keines in Europa, den USA oder Japan. Die Breite der einzelnen Flusslinien zeigt keine Mengenverteilung. Schematische Darstellung, keine Landkarte. [12]

Der neuere Forschungsstand / Meijer et al., 2021

Über 1.000 Flüsse.
Rund 80 % des Eintrags.

Das detailliertere Modell verteilt die Einträge auf deutlich mehr Flüsse: im zentralen Szenario auf 1.656 für 80 %. Es identifiziert besonders städtische Flüsse in Südostasien und Westafrika als Schwerpunkte. Die Zehn-Flüsse-Grafik zeigt den Befund von 2017, nicht die heutige vollständige Verteilung. [13]

Ein Rhein.
Ein Ciliwung.
Faktor 103.

Zwei beobachtete Jahreseinträge, die die Arbeit von 2021 gegenüberstellt. Die Größenordnungen sind entscheidend für die Frage, wo zusätzliche Maßnahmen besonders viel bewirken.

Rhein / Westeuropa3 t/Jahr
Ciliwung / Indonesien308 t/Jahr

Europa rettet die Meere
nicht am Becherrand.

Die Stiftung Rudulin fordert: wirksame Abfallsammlung, kontrollierte Entsorgung und Rückhalt an den großen Eintragsquellen. Internationale Unterstützung muss messbar Plastik aus dem Wasser halten. Symbolpolitik beim europäischen Trinkhalm ist dafür kein Ersatz.

Bezugsgröße: flussgebundener Eintrag, nicht der gesamte Plastikbestand oder alle Eintragspfade ins Meer. Europa, Nordamerika und Japan haben ebenfalls Einträge. Die Rhein/Ciliwung-Werte sind zitierte Beobachtungen der Studie, keine Messung aus 2026; Quotient 308 / 3 ≈ 103. Die Analyse von 2021 umfasst Makroplastik, keine Mikroplastikflüsse. [12] [13]

02 Die Studie hinter der Meldung

Südkorea / Regierungsauftrag / Ergebnisse 2026

Sechsmal höher.
Krebserzeugendes
Wirkungspotenzial.

Papier sollte die bessere Lösung sein. Die südkoreanische Lebenszyklusanalyse liefert dafür in wichtigen Wirkungskategorien das Gegenteil: höhere Belastungen als beim herkömmlichen PP-Halm.

6,33 ×

Krebserzeugendes
Wirkungspotenzial

2,04 ×

Versauerungs-
potenzial

1,62 ×

Feinstaub-
wirkungen

Verglichen wurden PP, Papier, biologisch abbaubarer Kunststoff und Bio-PE. Die Untersuchung betrachtete 16 Wirkungskategorien von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung. Nach den veröffentlichten Ergebnissen hatte PP in zehn Kategorien die niedrigste Belastung.

Alle drei Faktoren: Papier gegenüber PP = 1. „Kanzerogen“ bedeutet krebserzeugend. Der Indikator bewertet Emissionen entlang der gesamten Liefer- und Entsorgungskette; er beziffert kein individuelles Krebsrisiko beim Trinken. Entsorgungsannahme: 73,6 % Verbrennung, 26,4 % Deponie. Daten: öffentlich wiedergegebene Ergebnistabelle des Abgeordnetenbüros Kim Wi-sang / koreanischen Umweltministeriums. Der vollständige Methodenbericht war nicht zugänglich. [09] [15]

Ein Materialwechsel ist noch kein Umwelterfolg.Die Schlussfolgerung der Stiftung Rudulin
Alle 16 Modellwerte: Papier im Vergleich zu PP
WirkungskategoriePapier / PPWirkungskategoriePapier / PP
Klimawandel1,01 ×Fossile Ressourcen0,86 ×
Mineralische Ressourcen1,08 ×Wasserressourcen1,02 ×
Ozonabbau2,23 ×Versauerung2,04 ×
Eutrophierung Süßwasser3,76 ×Eutrophierung Meer8,20 ×
Eutrophierung Land2,40 ×Humantoxizität, kanzerogen6,33 ×
Humantoxizität, nicht kanzerogen2,22 ×Ökotoxizität0,46 ×
Feinstaub1,62 ×Photochemischer Smog1,33 ×
Ionisierende Strahlung3,65 ×Landnutzung53,91 ×

Eigene Quotienten aus der veröffentlichten, gerundeten Ergebnistabelle; auf zwei Dezimalstellen gerundet. Unter 1 = niedrigerer, über 1 = höherer Modellwert als PP. Die großen Aufmacherzahlen folgen den berichteten Faktoren. Unterschiedliche Wirkungskategorien sind nicht addierbar.

03 Der Ärger hat Gründe.
Illustratives Cocktailmotiv: korallfarbener Drink mit Eis, Limette, Minze und rot-weißem Trinkhalm vor blauem Hintergrund
Ein guter Drink. Ein Halm. / KI-Motiv

Du wolltest einen Drink.
Keine Pappmaché-Erfahrung.

Er wird weich. Er knickt. Er fühlt sich an, als hätte dein Getränk einen Bastelkurs gebucht. Während der Halm aufweicht, bleibt die politische Begründung erstaunlich fest. Deshalb fragen wir: Was bringt der Materialwechsel tatsächlich?

Die Stiftung Rudulin hält diesen Materialtausch für ein Lehrstück verfehlter Prioritäten: Eine sichtbar lästige Ersatzlösung wird zum Symbol des Fortschritts, während ihre Herstellung, Rückstände und Kosten zu wenig Aufmerksamkeit bekommen. Unsere Forderung: Beendet die Bevormundung am Becherrand. Legt die gesamte Rechnung auf den Tisch.

18/20
Papierhalm-Marken mit PFAS

Belgische Stichprobe 2023. Darunter langlebige fluorierte Stoffe — in einem Produkt, das als bessere Alternative gilt.

[01–02] Studienbefund ↗
2,33 ×
Stückpreis im Kostenvergleich

1,4 Cent für Papier, 0,6 Cent für Plastik. Griechische Marktpreise 2024 aus einer veröffentlichten Untersuchung.

Die Kostenrechnung ↓
3,04
Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen

Deutsches Verpackungsaufkommen 2023. Die Größenordnung, an der sich Prioritäten messen lassen müssen.

Der Blick über den Halm ↓
04 Die Anatomie des Halms

Baum rein.
Halm raus?
Fast.

Ein Papierhalm ist ein technisches Produkt. Es muss gegen genau das beständig gemacht werden, worin es landet: Flüssigkeit. Dafür reichen Fasern allein nicht immer aus.

Inszenierte Makroaufnahme rot-weiß gestreifter Papierhalme mit sichtbaren Papierschichten vor blauem Hintergrund
Materialmotiv: KI-generierte Illustration, keine mikroskopische Analyse
AZellulose & Papier

Die Basis sind Papierfasern, häufig aus Holzzellstoff. Zellstoffherstellung und Papiertrocknung brauchen Energie, Wasser und Prozesschemikalien. Das ist ein wichtiger Teil der Umweltbilanz. Ein „natürlicher“ Rohstoff macht die Herstellung nicht belastungsfrei.
[04] Lebenszyklusanalyse ↗

BMehrere Lagen & Klebstoff

Typisch sind drei Papierlagen, die auf einer Wickelmaschine mit Klebstoff verbunden werden. Laut Klebstoffhersteller H. B. Fuller kommen wasserbasierte Systeme oder bei schnellen Anlagen Schmelzklebstoffe zum Einsatz. Welche Stoffe konkret verwendet werden, lässt sich nur am jeweiligen Produkt klären.
[05] Herstellungsbeschreibung ↗

CNassfestigkeit & Rückstände

Papier kann Nassfestmittel enthalten, etwa bestimmte Epichlorhydrinharze. Bei solchen Systemen sind Chlorpropanol-Rückstände wie 3-MCPD und 1,3-DCP relevant. Die BfR-Empfehlung für Lebensmittelkontaktpapier benennt dafür Prüfanforderungen. Das ist keine Zutatenliste jedes Papierhalms.
[06] BfR-Empfehlung XXXVI ↗

DPFAS: gefunden. Nicht zwingend zugesetzt.

PFAS können wasser- und fettabweisend wirken. In den untersuchten Halmen war aber nicht geklärt, ob die Funde aus bewusster Behandlung oder Verunreinigungen in Rohstoff, Wasser oder Produktion stammen. Der Nachweis beweist keine einheitliche PFAS-Beschichtung aller Papierhalme.
[02] Erläuterung der Forschungsgruppe ↗

Auch Streifen sind kein Inhaltsverzeichnis. Farben, Hilfsstoffe und mögliche Beschichtungen sind produktspezifisch. Wer die genaue Zusammensetzung wissen will, braucht Herstellerangaben und Prüfberichte.
01 / ROHSTOFF

Fasern gewinnen

Holz wird zu Zellstoff verarbeitet. Daraus entsteht das geeignete Papier.

02 / PAPIER

Stabilität einstellen

Die Papierqualität und mögliche Hilfsstoffe bestimmen, wie es auf Flüssigkeit reagiert.

03 / FORM

Lagen verbinden

Papierbahnen werden mit Klebstoff zu einem Rohr gewickelt.

04 / FERTIGUNG

Schneiden & prüfen

Das Rohr wird auf Länge gebracht. Lebensmittelkontakt und Haltbarkeit müssen passen.

05 Zwei Wege zum selben Schluck

Papier gegen Plastik.
Die Fabrik zählt mit.

Beide Halme werden industriell hergestellt. Entscheidend sind Materialmenge, Prozessschritte, Hilfsstoffe und Emissionen — nicht das grüne Image.

SchrittPapierhalmKonventioneller PP-Halm
RohstoffHolz → Zellstoff → Papier. Aufschluss, Papierbildung und Trocknung gehören zur Vorkette.Erdöl oder Erdgas → Propylen → Polypropylen-Granulat. Gewinnung, Raffinerie und Polymerisation gehören zur Vorkette.
FormgebungMehrere Papierlagen werden mit Klebstoff zu einem Rohr verbunden und auf Länge geschnitten.Granulat wird aufgeschmolzen, durch eine Ringdüse zum Rohr extrudiert, gekühlt und geschnitten.
FlüssigkeitsbeständigkeitHängt von Papierqualität, Klebstoff und gegebenenfalls Nassfestmitteln oder Barrierebehandlungen ab.Die Wasserbeständigkeit liegt im PP-Material selbst. Das Rohr braucht dafür keine Papierlagenverklebung.
Rezeptur & relevante StoffeKlebstoffe; mögliche Nassfestharze; produktspezifische Farben und Behandlungen. PFAS sowie Chlorpropanole sind relevante Prüfparameter.PP sowie rezepturabhängige Farben und Stabilisatoren. PFAS sind kein notwendiger Grundbaustein von PP; Rückstände und Migration bleiben produktabhängig.
Materialeinsatz im US-Modell1,15 g pro Halm0,52 g pro Halm

Herstellungswege nach Gao & Wan und H. B. Fuller; die Gewichte sind Eingaben des US-Modells, keine Normgewichte. Nassfestmittel nach BfR XXXVI. [04] [05] [06]

Die Belastung entsteht schon vor dem ersten Drink

Herstellung:
rund 4,6-mal höheres
Toxizitätspotenzial.

Im US-Deponieszenario entfällt der größte Teil des modellierten Humantoxizitätspotenzials auf Rohstoffherstellung und Formgebung. Die folgende Umrechnung isoliert diese beiden Produktionsstufen.

PP / Herstellung≈ 50,6 mg
Papier / Herstellung≈ 230,4 mg

Je Halm, ausgedrückt in 1,4-Dichlorbenzol-Äquivalenten. Das ist ein gewichteter Toxizitätsindikator für Emissionen der Produktionskette, keine gemessene Masse eines tatsächlich freigesetzten Gifts.

Rechenweg und Bezugsgröße

Gao & Wan: insgesamt 27.200 kg (PP) bzw. 120.000 kg (Papier) 1,4-DCB-Äquivalente je 500 Millionen Halme im vollständigen Deponieszenario. Herstellung: 80 % + 13 % bei PP, 84 % + 12 % bei Papier. Umrechnung: 27.200 × 0,93 / 500 Mio. bzw. 120.000 × 0,96 / 500 Mio. kg pro Halm. Mit 10⁶ in mg umgerechnet; aus gerundeten Ausgangswerten. [04, Tabelle 2]

06 CO₂ und Materialeinsatz

Baum ist kein
CO₂-Gütesiegel.

Holz aufschließen. Zellstoff verarbeiten. Papier trocknen. Lagen verkleben. Der Papierhalm hat eine industrielle Vorkette — und die braucht Energie. Nachwachsende Fasern streichen diese Emissionen nicht aus der Rechnung.

Gao & Wan / US-Lebenszyklusmodell / 2022

CO₂-Äquivalente
pro Halm.

Konventioneller PP-Halm2,78 g
Papierhalm5,40 g

Papier: 1,94-mal so hohe Klimawirkung.

Verbrennungsszenario: 1,39 Mio. kg CO₂-eq für PP und 2,70 Mio. kg für Papier, jeweils je 500 Millionen Halme. Auf einen Halm umgerechnet.

GWP der gesamten Modellkette. CO₂-Äquivalente bündeln verschiedene Treibhausgase, einschließlich Methan. US-Daten und Entsorgungsannahmen; kein gemessener deutscher Durchschnitt. [04, Abschnitte 3.1 und 3.2]

Das Umweltversprechen muss die ganze Rechnung bestehen.

Die koreanische Tabelle zeigt beim Klima etwa Gleichstand mit leicht höherem Papierwert (≈ +1 %). Das US-Modell zeigt deutlich höhere Papierwerte in beiden Entsorgungsszenarien. Energiebereitstellung, Produktgewicht und Systemgrenzen entscheiden mit. [04] [15]

07 Was im Material steckt

Die Stoffe.
Die Aufnahme.
Die Befunde.

Was enthalten die untersuchten Halme? Was davon geht ins Wasser über? Und welche Mengen wurden tatsächlich ermittelt?

Belgien / 2023 / Materialbefund

18 von 20 Papiermarken.
PFAS nachgewiesen.

Boisacq und Kollegen untersuchten 39 Marken aus fünf Materialien. 18 der 20 Papierhalm-Marken enthielten PFAS; insgesamt wurden 18 verschiedene PFAS identifiziert. Darunter waren PFOA und sehr wasserlösliche kurzkettige Verbindungen.

Auch 3 von 4 Kunststoffmarken waren positiv; bei den 5 Edelstahlmarken wurden keine PFAS nachgewiesen. Materialanalyse, ohne Migrationstest. Kleine belgische Stichprobe von 2023. Die Verlagsmitteilung bezeichnete die Konzentrationen als niedrig.

Der Stoffnachweis stammt aus der belgischen Untersuchung; der Faktor 6,33 aus der koreanischen Lebenszyklusanalyse. Die Korea-Zahl ist kein PFAS-Aufnahmetest. In der belgischen Stichprobe waren die Konzentrationen niedrig; der Übergang ins Getränk wurde dort nicht gemessen. Ob PFAS gezielt zugesetzt wurden oder als Verunreinigung hineingelangten, blieb offen. [02] [09]

[01–02] Studie und Forschungsmitteilung ↗
USA / 2021 / Gemessener Materialgehalt

Bis zu 29,1 ng
PFAS pro Halm.

In 43 untersuchten Marken fanden Timshina und Kollegen bei Papier und anderen pflanzlichen Materialien 21 PFAS. Die mittleren Summengehalte je Marke reichten von 0,043 bis 29,1 Nanogramm pro Halm; der Median lag bei 0,554 ng. Bei den fünf Kunststoffmarken wurden keine messbaren PFAS gefunden.

Analytisch bestimmte Materialgehalte für die dort erfassten PFAS. Keine repräsentative deutsche Marktübersicht.

[03] Originalarbeit / Chemosphere ↗
USA / 2021 / Übergang ins Wasser

Rund zwei Drittel
gingen ins Wasser über.

Die Marke mit dem höchsten PFAS-Gehalt und der größten Stoffvielfalt wurde im Folgeexperiment getestet. Rund zwei Drittel der extrahierbaren PFAS gingen unter den untersuchten Bedingungen ins Wasser über.

Der Versuch betraf diese ausgewählte Marke; er liefert keinen einheitlichen Aufnahmefaktor für andere Halme oder Getränke. Eine allgemeine Milligramm-„Giftmenge pro Schluck“ wurde nicht bestimmt.

[03] Migrationsexperiment ↗
Papierhilfsstoffe / Prüfanforderungen

Nassfest im Glas.
Rückstände im Blick.

Bei bestimmten Nassfestharzen sind 3-MCPD und 1,3-DCP relevante Verunreinigungen. Die BfR-Empfehlung für Lebensmittelkontaktpapier nennt dafür Anforderungen im Wasserextrakt des fertigen Produkts.

Diese Stoffe sind damit Prüfparameter, keine nachgewiesenen Bestandteile jedes Papierhalms. Die Werte und ihre Einheiten stehen in der Tabelle unten.

[06] BfR-Empfehlung XXXVI ↗
08 Die gesamte Ökobilanz

Grün ist eine Farbe.
Kein Prüfsiegel.

Ein Modell. Zwei Entsorgungswege.

Polypropylen (PP)2,4
Papier5,1
Biokunststoff (PLA)6,4

Relativer Umweltindex REI nach Gao & Wan (2022), dimensionslos. Höher = größere zusammengefasste Umweltlast im Modell. Gleiche Skala in beiden Ansichten (0–7). Kein CO₂-Wert und kein Gesundheitsrisiko beim Trinken.

Deponieszenario: Papier liegt mit 5,1 über PP mit 2,4. Das Ergebnis gilt für diese Modellannahmen.

[04] Daten, Systemgrenzen und Methode ↗

Ein Materialwechsel
löst kein Wegwerfproblem.

Die Bilanz beginnt vor dem ersten Schluck: Rohstoffe, Energie, Papierherstellung, Klebstoff, Transport und Entsorgung zählen mit. Schwerere Halme brauchen mehr Material. Kommt wegen Aufweichens ein zweiter hinzu, muss auch der mitgerechnet werden.

Plastik hat zugleich ein reales Müllproblem: Es bleibt in der Umwelt bestehen und kann in kleinere Partikel zerfallen. Für die Frage, wo die großen Einträge ins Meer entstehen, braucht es zusätzlich die Fluss- und Abfalldaten. Genau deshalb gehört die Politik an den Eintragsquellen gemessen. [04]

Und Deutschland? Koreanische oder US-amerikanische Entsorgungsannahmen sind nicht automatisch deutsche Verhältnisse. Für eine belastbare Entscheidung braucht es passende Daten, gleiche Nutzungsfunktionen und transparente Systemgrenzen.
09 Die wirtschaftliche Rechnung

Mehr Aufwand.
Höherer Stückpreis.

Papier braucht eine andere Produktionskette: Papier herstellen und trocknen, mehrere Lagen verkleben, Nassfestigkeit sichern. Beim PP-Halm wird ein thermoplastisches Rohr extrudiert. Den Preisunterschied zeigt eine veröffentlichte Kostenanalyse für Griechenland.

Konventioneller Kunststoffhalm0,6 Cent

0,006 € pro Stück

Papierhalm1,4 Cent

0,014 € pro Stück

Eigene Rechnung aus diesen Preisen+133 %

2,33-facher Stückpreis

Bei 100.000 Halmen: 600 € statt 1.400 € Einkaufskosten — 800 € Differenz. Jeder wegen Aufweichens zusätzlich ausgegebene Halm erhöht Materialverbrauch und Kosten weiter.

Beispiel auf Basis der in einer Studie von 2025 verwendeten griechischen Marktpreise 2024. Einkaufspreise, keine offengelegten Fabrikkosten und kein aktuelles deutsches Angebot. Stückzahlen und Prozentdifferenz: eigene Rechnung. [11, Tabelle 3]

10 Grenzwerte und Messgrößen

Was darf rein?
Was geht rüber?

Materialgehalt, Labor-Wasserextrakt und langfristige Aufnahme sind verschiedene Messgrößen. Wer sie vermischt, produziert vor allem eines: Schlagzeilen.

Stoff / RegelwerkZahl & EinheitWas sie tatsächlich bedeutet
Vier PFAS
EFSA-Bewertung
4,4 ng/kg
Körpergewicht pro Woche
Gesundheitlich tolerierbare wöchentliche Gesamtaufnahme (TWI) für PFOA, PFOS, PFNA und PFHxS zusammen. Kein Grenzwert pro Halm. Kritischer Effekt der Bewertung: verminderte Impfantwort. [08]
3-MCPD
BfR XXXVI
12 µg/l
im Wasserextrakt
Der Übergang in den Wasserextrakt soll technisch so niedrig wie möglich sein und diesen Wert nicht überschreiten. Prüfanforderung der BfR-Empfehlung für entsprechende Papierprodukte; keine zulässige Trinkdosis. [06]
1,3-DCP
BfR XXXVI
Nicht nachweisbar
Nachweisgrenze: 2 µg/l
Bezieht sich auf den Wasserextrakt des fertigen Produkts. „Nicht nachweisbar“ ist an die genannte analytische Nachweisgrenze gebunden. [06]
PFAS in Lebensmittelkontakt-Verpackungen
EU-Verordnung 2025/40, Art. 5(5)
25 ppb / 250 ppb / 50 ppm
Einzel-PFAS / Summe / inkl. Polymere
Seit 12.08.2026 gelten diese Vermarktungsschwellen für Lebensmittelkontakt-Verpackungen. 25 und 250 ppb betreffen die gezielte Analyse ohne polymere PFAS, 50 ppm schließen Polymere ein. Der Verpackungsbezug muss geprüft werden; daraus folgt kein pauschaler Grenzwert für jeden separat verkauften Trinkhalm. [10]

Einheiten übersetzen: 1 µg = 1.000 ng. Bei Massenanteilen entspricht 1 ppb einem µg/kg und 1 ppm einem mg/kg. Zahlen mit unterschiedlichen Bezugsgrößen lassen sich trotzdem nicht direkt gegeneinander halten.

Rechtsstatus beachten: Ein EFSA-TWI ist eine wissenschaftliche gesundheitliche Orientierung. Die zitierte BfR-Empfehlung ist keine eigenständige gesetzliche Zulassung. Die EU-Verordnung enthält verbindliche Anforderungen in ihrem jeweiligen Anwendungsbereich.

Ein Verbot.
Keine Papierpflicht.

§ 3 EWKVerbotsV untersagt das Inverkehrbringen bestimmter Einwegkunststoffprodukte, darunter Trinkhalme; ausgenommen sind die dort genannten Medizinprodukte. Eine Vorschrift, die Verbraucher zum Papierhalm zwingt, steht dort nicht. Die praktische Verengung des Angebots darf man trotzdem kritisieren. [07]

11 Die Frage nach der Doppelmoral

Am Halm streng.
Im Regal: Folie,
Schale, Verbund.

Die einzelne Gurke, die Kunststoffschale, der Karton mit zusätzlichem Innenbeutel: Der Supermarkt bleibt eine Verpackungslandschaft. Ausgerechnet der Trinkhalm wird zum weithin sichtbaren Erziehungsmoment.

3,036 Mio. t

Kunststoffverpackungsaufkommen in Deutschland 2023.
Daneben: 7,851 Millionen Tonnen Papier, Pappe und Karton. [14]

Politische Aufmerksamkeit
muss sich nach Wirkung richten.

Die Stiftung Rudulin kritisiert die Doppelmoral einer Debatte, die am Becherrand maximale Strenge inszeniert und den viel größeren Materialströmen zu wenig öffentliche Aufmerksamkeit widmet. Ein teurerer Ersatz mit eigenen Schadstofffragen ist kein Erfolg, nur weil er nach Papier aussieht.

Verpackungen sind bereits reguliert, unter anderem durch das Verpackungsgesetz und die EU-Verpackungsverordnung. Die Kritik betrifft Priorität, Wirksamkeit und Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen. Die Verpackungszahlen sind Gesamtmengen, keine Mengen des Eintrags ins Meer. [10] [14]

Die Position der Stiftung Rudulin

Weniger
Halm-Theater.
Mehr Wirkung.

Kümmert euch um die großen Stoffströme, die Abfalleinträge und die vermeidbaren Schadstoffquellen. Beendet den Symbolzwang am Becherrand.

01 / BILANZ STATT ETIKETT

Den Nutzen nachweisen.

Vergleicht die gesamte Lebensdauer, die reale Nutzung und die Entsorgung. „Aus Papier“ ersetzt keine unabhängige Prüfung.

02 / TRANSPARENZ STATT RATEN

Offenlegen, was drin ist.

Hersteller sollen Hilfsstoffe, relevante Rückstände und aussagekräftige Migrationstests offenlegen. Unnötige Belastungen gehören reduziert.

03 / ALLTAG STATT SYMBOL

Weniger Einweg. Mehr Auswahl.

Messt Regeln an ihrem Gesamtnutzen. Macht passende Halme zugänglich, verlangt belastbare Nachweise für Ersatzprodukte und schützt die Wahlfreiheit im Alltag.

Keine Behauptung
ohne Beipackzettel.

Quellenstand: 06. November 2026

Eine Quellenstudie der Stiftung Rudulin: veröffentlichte Ergebnisse zusammengeführt, Herstellungswege verglichen, Kosten und Wirkungsindikatoren nachgerechnet. Nachfolgend die Studien und Dokumente zu den jeweiligen Angaben.

  1. 01
    Boisacq et al. (2023): PFAS in commercially available drinking straws ↗Food Additives & Contaminants: Part A. DOI: 10.1080/19440049.2023.2240908. Abstract und bibliografischer Nachweis; der Volltext war für dieses Dossier nicht vollständig zugänglich.
  2. 02
    Taylor & Francis / EurekAlert (25.08.2023): Studienmitteilung ↗Quelle für Materialgruppen, die 18/20-Angabe, niedrige Konzentrationen und die Einschränkung: Migration nicht untersucht.
  3. 03
    Timshina et al. (2021): The last straw ↗Chemosphere 277:130238. DOI: 10.1016/j.chemosphere.2021.130238. Abstract mit Materialgehalten und Migrationstest der höchstbelasteten Marke.
  4. 04
    Gao & Wan (2022): Life cycle assessment of disposable drinking straws ↗Science of the Total Environment 817:153016. DOI: 10.1016/j.scitotenv.2022.153016. Volltext; Datenquelle für REI-Grafik, CO₂-Szenarien und Materialmengen. Absolute GWP-Werte auf einen Halm umgerechnet; Gewichte aus Tabelle 1.
  5. 05
    H. B. Fuller: Manufacturing Paper Straws ↗Primäre Herstellerbeschreibung der üblichen drei Papierlagen und Klebstoffverfahren. Kommerzielle Quelle; kein unabhängiger Sicherheitsnachweis.
  6. 06
    BfR: Empfehlung XXXVI — Paper and board for food contact ↗Abgerufene Fassung vom 01.02.2023, englische Übersetzung. Grundlage der genannten Chlorpropanol-Anforderungen; laut Dokument ist die deutsche Fassung maßgeblich.
  7. 07
    § 3 Einwegkunststoffverbotsverordnung ↗Amtlicher Gesetzesdienst: Beschränkungen des Inverkehrbringens, einschließlich Trinkhalmen und der Medizinprodukte-Ausnahme.
  8. 08
    EFSA (17.09.2020): PFAS in food — tolerable intake ↗4,4 ng/kg Körpergewicht pro Woche für die Summe aus PFOA, PFOS, PFNA und PFHxS; wissenschaftliche Begründung und Link zum Gutachten.
  9. 09
    The Korea Herald (22.10.2026): Bericht zur koreanischen Untersuchung ↗Sekundärquelle zum Regierungsbericht. Bericht zur Regierungsuntersuchung und den Faktoren 6,33, 2,04 sowie zur Modellierung der Entsorgung. Ergänzt durch die bei NewsPim veröffentlichte Ergebnistabelle [15].
  10. 10
    Verordnung (EU) 2025/40, Artikel 5 Absatz 5 ↗Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR). PFAS-Schwellen für Lebensmittelkontakt-Verpackungen ab 12.08.2026; Anwendungsbereich beachten.
  11. 11
    Environmental and Economic Impacts of Substituting Single-Use Plastic Straws (2025) ↗Polymers 17(9):1235. DOI: 10.3390/polym17091235. Tabelle 3: griechische Marktpreise 2024 für die Kostenrechnung. Keine deutschen Fabrikkosten.
  12. 12
    UFZ (17.10.2017): Rivers carry plastic debris into the sea ↗Forschungsmitteilung zur Studie von Schmidt, Krauth & Wagner. DOI: 10.1021/acs.est.7b02368. Zehn Flusssysteme, rund 90 % des modellierten flussgebundenen Eintrags.
  13. 13
    Meijer et al. (2021): More than 1000 rivers account for 80% of global riverine plastic emissions ↗Science Advances 7:eaaz5803. DOI: 10.1126/sciadv.aaz5803. Makroplastikmodell; Beobachtungswerte zum Rhein und Ciliwung im Text.
  14. 14
    Umweltbundesamt: Verpackungsabfälle ↗Materialaufkommen 2023: Kunststoff 3,036 Mio. t; Papier/Pappe/Karton 7,851 Mio. t. Abgerufene Tabelle vom 05.03.2026.
  15. 15
    NewsPim (21.10.2026): Bericht mit Ergebnistabelle der koreanischen Untersuchung ↗Die reproduzierte Tabelle ist dem Büro Kim Wi-sang / koreanischen Umweltministerium zugeschrieben. Quelle für die 16 Vergleichswerte. Vollständiger Methodenbericht nicht verfügbar; Modellannahmen nach öffentlicher Berichterstattung.
  16. 16
    IARC / WHO (2025): Monographs Volume 135 — PFOA und PFOS ↗PFOA: krebserregend für Menschen (Gruppe 1). PFOS: möglicherweise krebserregend für Menschen (Gruppe 2B). Die Einstufung beschreibt das Gefährdungspotenzial eines Stoffs; sie beziffert kein Krebsrisiko aus der Nutzung eines Trinkhalms.
Redaktionelle Transparenz. Diese Quellenstudie beruht auf veröffentlichten Arbeiten und Dokumenten; sie enthält keine eigenen Labortests. Die politischen Schlussfolgerungen verantwortet die Stiftung Rudulin. Die beiden fotografischen Motive wurden mit KI als illustrative Inszenierungen erzeugt und zeigen keine untersuchten Produkte.
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